Samstag, 12. april 2008

Bleich war der Strand,
verlassen das Land,
der Salzwind heulte: „Gefahr!“
Zungen fraßen den Sand
und Leben verschwand,
das eben noch Leben gebar.

Die Flut, sie traf
die Bewohner im Schlaf,
überraschte das Vieh im Stall.
Mit Leidenschaft und wühlender Kraft
brachte sie Deiche zu Fall.

Mit wildem Gebraus umschlang sie das Haus.
Angstvoll brüllte das Rind.
Sie drückte das Dach auf das Schlafgemach,
ertränkte Eltern und Kind.

Durchtränkt war der Strand,
verwüstet das Land.
Es wich die Zungenschar,
leckte sachte den Sand
und Leben entstand,
das wiederum Leben gebar.

Die Insel Nadière bei Sturmflut malte Henri Marie Dat.

von Winfried Schley - veröffentlicht in: Gedichte - Community: Gedichte
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