Sonntag, 4. mai 2008
Ach Du meine Güte! Ich soll etwas über Erholung, Besinnung, Urlaub und Freizeit schreiben! Und das mitten im Prüfungsstress!

Früh am Morgen wache ich auf und habe das Gefühl, dass mein Hirn schon auf vollen Touren die ganze Nacht hindurch gearbeitet hat. Mich wundert fast, dass ich gestern Abend so glatt einschlafen konnte.

Während des ganzen Arbeitstages spüre ich, wie neben der Alltagsarbeit zusätzliche Aufgaben und Probleme in meinem Hinterkopf entworfen und verworfen werden, Gestalt annehmen und wieder zerfließen, gerade so, als gäbe es tief in mir drin eine Art zweite Ebene, ein Nebengleis, auf dem es zugeht wie auf einem Rangierbahnhof.

Wenn bloß das Telefon nicht wäre! Wer hat nur dieses Marterinstrument erfunden, das immer dann klingelt, wenn man mitten in einer wichtigen Sache steckt? Kann man denn nicht mal in Ruhe etwas am Stück fertig bekommen? Woher weiß dieser verflixte Apparat eigentlich, dass er jetzt genau den Zeitpunkt erwischt, an dem er mich nerven kann? Die reine Boshaftigkeit ist das, dieses Teufelsding! Ich könnte es an die Wand schmeißen! Hoffentlich merkt die Person am anderen Ende der Leitung nichts davon! Die ist unschuldig. Sie kann ja nichts dafür, dass mich mein Telefon so direkt vor mir auf dem Schreibtisch anschrillt.

Am besten, ich gehe erst einmal joggen. In irgendeiner schlauen Zeitschrift habe ich irgendwann gelesen, dass der Mensch mindestens einmal am Tag gründlich durchschwitzen solle, aber mit Freude; denn der Angst- und Stressschweiß zähle nicht dazu.

Also freue ich mich. Ich freue mich darüber, dass mir im Laufschritt den Berg hoch die Puste nicht ausgeht. So ganz am Ende meiner Kraft bin ich offensichtlich doch noch nicht. Weg mit dem falschen Selbstmitleid! Schön sind sie, die weißen Blüten am Wegrand! Wieso sind sie mir nicht schon längst aufgefallen? Wie blind ich manchmal bin! Sonnendurchflutet liegt die Stadt da, die Bäume sprießen, Wiesen erstrahlen in sattem Grün. Meine Seele tankt auf, während mich meine Beine wie von selbst vorwärts bringen.

Wieder vor meiner Wohnung angekommen gerate ich in ein Streitgespräch von spielenden Kindern über das schwerwiegendste philosophische Problem des Tages. Wer von den beiden Comic-Figuren ist schneller? Roadrunner, dieser komische Vogel am Landstraßenrand, oder Speedy Gonzales, die schnellste Maus von Mexico? Wir können uns nicht einigen.

Doch als ich frisch geduscht und heiter gestimmt mich wieder meinem Schreibtisch zuwende, muss ich unwillkürlich zur Christus-Ikone an der rechten Wand meines Arbeitszimmers lächeln.

Manchmal stiehlt sich Gott halt durch die Hintertür ins Herz.

von Winfried Schley - veröffentlicht in: Gesundheit - Community: Christ sein
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