Noch nie hat ein Mensch faul im Regen gedöst, so sehr er auch manchmal das kostbare Nass vom Himmel ersehnte. Aber in der Sonne, da aalt er
sich behaglich, solange sie nicht gerade unbarmherzig auf seine Haut knallt.
Wer sich erholen und entspannen will, sucht den Sonnenschein. Unser Körper braucht ihn offensichtlich ebenso wie unser Gemüt. Eine Kette von Regentagen drückt auf die Stimmung, ein Sommerhoch
erfreut. Man sitzt zusammen, plaudert, lacht, isst und trinkt miteinander, die Seele badet in Kontakten. Und wem es zeitlich in den Kram passt, der gönnt seinem Körper das köstliche Nass unter
der Dusche, im Freibad, am See oder am Meer. Er genießt es, wie erfrischendes Wasser seine Haut umschmeichelt, und spürt, wie er - vor allem im Urlaub - ein anderer Mensch wird.
Diese äußeren Veränderungen bewirken allmählich innerliche. Im Urlaub hat der Mensch Zeit, sich behutsam an all die inneren Verwundungen, an die Schädigungen durch Beruf und Alltagshetze, an die
Verletzungen durch zerbrochene Beziehungen oder Schicksalsschläge heranzutasten und verdrängte Trauer nachzuholen. Offensichtlich brauchen wir Menschen nicht nur die äußere Sonne, sondern auch
einen ganz speziellen Sonnenschein im Herzen, ein inneres Licht, das die dunklen Schatten, die auf uns lasten, vertreibt, Frieden bringt und die Seele heilt.
Jeder Kranke, der lange bettlägerig sein muss, weiß um diesen inneren Kampf. Sehr treffend schreibt dazu der berühmte Forscher und Theologe Teilhard de Chardin an seine kranke Schwester: "Während
ich Kontinente und Meere durchquerte und leidenschaftlich damit beschäftigt war, alle Farben und Schönheiten der Erde zu sehen, lagst du da, bewegungslos hingestreckt, und verwandeltest im
Innersten deines Wesens die schlimmsten Finsternisse der Welt in Licht. Vor Gott, unserem Schöpfer, sage mir, wer von uns beiden hatte den besseren Teil?"
Selbst von schwerer Krankheit betroffen tröstete der Dichter Rainer Maria Rilke eine Besucherin an seinem Krankenbett: "Vergessen Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!"
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