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28. Mai 2011 6 28 /05 /Mai /2011 17:32

Laut Kriminalstatistik wurden im Jahre 2010 183 Kinder getötet, also jeden zweiten Tag ein Kind, in 14 696 Fällen waren Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs. Nicht umsonst spricht der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke von einem „tragischen Ausmaß“, dass mehr als nachdenklich stimmen müsse. Wenn man bedenkt, dass dies nur die bekannt gewordenen und zur Anzeige gebrachten Vorfälle sind, kann man die damit verbundene Dunkelziffer nur voll Grauen ahnen.

So sehr mich diese Zahlen betroffen machen, so nachdenklich stimmt mich noch etwas anderes.

Da ging im Frühjahr 2010 der Schulleiter einer von Jesuiten geleiteten Schule an die Öffentlichkeit, zeigte sich erschüttert über sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen an seiner Schule und bat die Opfer um Vergebung. 

Welche merkwürdige mediale Inszenierung er damals auslöste, scheint heute schon vergessen! Alle, vorwiegend aus der Katholischen Kirche angeprangerten Fälle schienen verjährt und zwischen 1950 und 1980 und statistisch gesehen mit einem Anteil im winzigsten Promillebereich, was aber kaum ein Journalist zur Kenntnis nehmen wollte. (vgl. http://winfried.schley.over-blog.net/article-sexueller-missbrauch-46613641.html)

Angesichts der neuesten Statistik von 2010 scheint es mir so, dass die Fachleute doch sehr recht haben, wenn sie sagen, dass sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche wegen ihrer strengeren Sexualmoral deutlich seltener vorkommt als sonst wo, dafür aber natürlich umso deutlicher ins Auge sticht.

Nicht vergessen werde ich, wie  mir, dem katholischen Religionslehrer, ein minderjähriger Schüler den Artikel einer Boulevard-Zeitung zeigte, in dem Schüler als „sexuelle Dienstleister“ fürs Wochenende fest eingeplant schienen, was selbstredend als Missbrauch angeprangert wurde. Dennoch war derselbe minderjährige Schüler sicher nicht blind für die ganzformatige, farbige Rückseite, auf der in der luxuriösen Vorhalle eines Hotels orientalischen Stils zehn barbusige Mädchen posierten, gefeiert als Girls 2010, knapp bekleidet mit schwarzen Tangas, Strapsen oder Netzstrümpfen. Wo ist hier die Schmerzgrenze im Umgang mit weiblicher Sexualität?

Gar nicht nachvollziehen konnte ich damals die Entrüstung und Vertuschungsvorwürfe mancher Journalisten darüber, dass sie nicht über alles informiert wurden. Schließlich ist nicht jedes Vergehen für die Öffentlichkeit geeignet. Nicht jede Abartigkeit muss groß verkündet werden. Unterschwellig wurde hier unter dem Denkmantel von Moral und Aufklärung ähnlich dem mittelalterlichen Prangerwesen nur Voyeurismus befriedigt und Auflage gesteigert.

Jedes Verbrechensopfer hat das Recht zur Strafanzeige. In unserem Rechtsstaat ist es Sache der Justiz, das gesetzesgemäß aufzuarbeiten. Wäre es nicht Aufgabe der Journalisten, in Artikeln zur Anzeige zu ermutigen und damit die Dunkelziffer abzubauen? Worin ich auch blättere, Fehlanzeige! In welcher abgehobenen Parallelwelt lebt man in diesem Beruf?

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Kommentare

christine 06/20/2011 11:29



Hallo, der Artikel hat mich sehr betroffen gemacht. Ich für meinen Teil möchte erst gar nicht wissen wie die Dunkelziffern sind. Denn sowas macht mich traurig.



federkiel 05/30/2011 00:03



Darüber u7nterhalten Sie sich vielleicht al mit Norbert Denef, Gründer des NetzwerkB = Netzwerk der Betroffenen. norbert.denef@netzwerkb.org
http://netzwerkb.org/2011/01/27/6426/
Für mich wird kein Missbrauch Schutzbefohlener dadurch besser, dass soetwas auch woanders passierte.

Die Katholische Kirche hat immer wieder unter den Teppich gekehrt, obwohl es sehr wohl bekannt war. Man hat verhindert, dass es rechtlich verfolgt werden konnte.
Und das bei einer Institution, die sich als einzig legitimierte Wahrer der "richtigen" Moral und gesellschaftlicher Werte versteht.

Schlimm wäre es, wenn die Medien diese Missbräuche, wo und von wem auch immer begangen, herunterspielen würden. 

Die Nacktfotos von Frauen in Zeitungen sind kaum ursächlich für solchen Missbrauch. Auch "verderben" sie Jugendliche kaum, eher wird es irgenwann öde, ständig nacktes Fleisch zu sehen.
Hier vermischen Sie etwas, was nicht zusammen gehört.



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